In den Familien der Kleinlibellen werden die Teich- oder auch Binsenjungfern nochmals in zwei Gattungen unterteilt. Die erste und artenreichere Gattung ist die der Binsenjungfern (Gattung: Lestes). Die sehr schlanken, 35 – 39 Millimeter großen Libellen sind als Jungtiere und während ihrer Blütezeit leuchtend metallisch grün gefärbt. Im Alter wechselt die Färbung zu einem dunklen Kupferton.
Ihr Lebensraum ist namensgebend für die Gattung, da sich die Tiere an kleinen Teichen und Seen mit ausreichend guter Wasserqualität sowie reichlicher Binsenvegetation an den Uferbereichen aufhalten. Da alle Binsenjungfern auf den gleichen Habitattyp angewiesen sind, kommen auch sehr häufig verschiedene Teichjungfernarten an einem Gewässer vor (Syntopie).
Die Formen der Hinterleibsanhänge der Männchen sind alle verschieden ausgeprägt und können als Bestimmungsmerkmale herangezogen werden. In älterer Literatur wurden diese Merkmale derart beschrieben, dass aufgrund der syntopischen Lebensweise durch die speziellen Formen der Greifzangen am Hinterleibsende der Männchen nur artgleiche Weibchen ergriffen werden können (Schlüssel-Schloss-Prinzip). Neueste Erkenntnisse und eigene Beobachtungen von sogenannten „Fehlgriffen“ bei artfremden Weibchen von Binsenjungfern beweisen jedoch das Gegenteil. Dennoch sind artfremde Kopulationen ausgeschlossen, da die Fortpflanzungsorgane der Weibchen nicht zum sekundären Geschlechtsteil artfremder Männchen passen.
Nach der Paarung werden die Eier vom Weibchen zumeist in Begleitung des Männchens (Tandemformation) in die Halme von Binsen eingestochen. Dabei können die Tiere bis zu einer Stunde vollkommen unter Wasser tauchen. Lediglich die Gemeine Weidenjungfer, Lestes viridis, sticht ihre Eier unter die Rinde von weichem Holz wie der Weide oder der Schwarzerle. Die Eier überwintern. Im darauffolgenden Frühjahr schlüpfen die Larven, die sich binnen zwei Monaten und durchschnittlich 8 Häutungen bis zum Sommer zu Imagines entwickeln.
Die folgende Bildserie zeigt eine kleine Übersicht unserer heimischen Binsenjungfern. Von links nach rechts: Südliche Binsenjungfer, Lestes barbarus, Männchen, Glänzende Binsenjungfer, Lestes dryas, Männchen, Gemeine Binsenjungfer, Lestes sponsa, Männchen, Kleine Binsenjungfer, Lestes virens, Weibchen und die Gemeine Weidenjungfer, Lestes viridis, Weibchen.
Die zweite Gattung innerhalb der Familie der Teichjungfern bilden die Winterlibellen (Gattung: Sympecma). Da sie als die einzigen Libellenarten sind, die als Imago überwintern, können sie sich keine leuchtenden Farben leisten. Sie verbringen den Winter hervorragend getarnt in einem sicheren Habitat in einer Art Kältestarre. Erst im darauffolgenden Frühling werden die Tiere geschlechtsreif und sind daher die ersten Libellen, die bei guter Witterung schon Ende März an den Gewässern bei konkurrenzlosen Fortpflanzungsaktivitäten beobachtet werden können.
Die Bildreihe oben zeigt die beiden Arten der Winterlibellen: Links ein Männchen der Gemeinen Winterlibelle, Sympecma fusca, und rechts ein Weibchen der Sibirischen Winterlibelle, Sympecma paedisca.
Die Systematik der Familie der Teichjungfern gliedert sich wie folgt (Auszug):
Teichjungfern (Lestidae), Calvert, 1901
Gattung: Lestes
Südliche Binsenjungfer, Lestes barbarus, Fabricius, 1798
Glänzende Binsenjungfer, Lestes dryas, W.F. Kirby, 1890
Dunkle Binsenjungfer, Lestes macrostigma, Eversmann, 1836
Gemeine Binsenjungfer, Lestes sponsa, Hansemann, 1823
Kleine Binsenjungfer, Lestes virens vestalis, Charpentier, 1825
Gemeine Weidenjungfer, Lestes viridis, Vander Linden, 1825 (ehemals: Chalcolestes viridis.
Gattung: Sympecma
Gemeine Winterlibelle, Sympecma fusca, Vander Linden, 1820
Sibirische Winterlibelle, Sympecma paedisca, Brauer, 1877